"Vorhang!" Charles Marowitz

Regie: Susi Weber

Österreichische Erstaufführung am Schauspielhaus Salzburg

Theaterkritiker lieben das Theater, mit allem was dazugehört. Umgekehrt ist das jedoch nicht der Fall. Regisseure und Schauspieler sehen sich der ständigen Wertung ihrer Leistungen ausgesetzt. Doch jetzt ist Schluss mit der Geringschätzung künstlerischer Darstellung. Jetzt geht es der kritischen Instanz an den Kragen! Charles Marowitz’ „Vorhang!“ ist ein Stück mit einem spannenden Plot und viel Witz, bei dem sowohl Schauspieler als auch Kritiker durch den Kakao gezogen werden. Daraus lässt sich eine wundervolle Theaterinszenierung kreieren – möchte man meinen. Schauspielerin Mitzi Crenshaw hat die Nase gestrichen voll. Sie will nun ein für allemal mit Theaterkritiker Charnik, der sie und ihren Mann jahrelang in seinen Artikeln öffentlich gedemütigt und ihr Leben zerstört hat, abrechnen. Dafür hat sie einen mörderischen Plan ausgeheckt. Durch eine Hinterlist und die richtige Dosis chemischer Substanzen, gelingt es ihr, den Alten an einen Stuhl zu Fesseln und ihm einen Strick um den Hals zu legen. Sein Todesurteil ist gesprochen! Doch bevor es ihm an den Kragen geht, will sie es von ihm persönlich hören - „face to face“. Sämtliche Theaterrollen werden nun erneut dargestellt und durchgekaut um schließlich von Kritiker Charnik mit Verachtung wieder ausgespuckt zu werden. Das Bühnenbild besteht aus klassischen Theaterrequisiten die wahllos in den Raum gestellt wirken. Auch die Kostüme sind unscheinbar und lieblos gewählt. Zahlreiche Theaterzitate sorgen zwar für einige müde Lacher, auf eine richtige Pointe wartet man aber letztlich vergeblich.

 

Als der weiche, einfühlsame Ehemann, als Gegenstück zur temperamentvollen Mitzi, ganz zufällig, im richtigen Moment aus dem Nichts hervorspringt – mit der eigentlichen Intention die Situation zu retten – wird alles nur noch schlimmer. Der Protagonist wirkt so müde und kraftlos, dass der Kaffee in der Pause auch nichts mehr hilft. Nachdem der Vorhang zum ersten mal fällt, wünscht man sich für einen kurzen Augenblick, er würde für immer geschlossen bleiben. Der zweite Teil des Stücks, knüpft nahtlos an den ersten an. Der gefesselte Theaterkritiker ist zwar Stellenweise recht überzeugend in seiner Rolle als verbitterter, abgestumpfter Miesepeter, doch Gefühle von Angst und Verzweiflung – er ist schließlich kurz davor zu sterben - kommen nicht beim Publikum an. Es folgt eine nicht enden wollende Passage aus einem Ibsen-Stück. Spätestens hier steigt jener Theaterbesucher aus, der Ibsen nicht zu seiner Gutenachtlektüre zählt. Das Ende ist schließlich so platt und vorhersehbar, wie auch der Rest des Stückes. Das Publikum kommentiert die Vorstellung mit höflichem Applaus.

 

 

Mit Sicherheit eine gute Intention vom Schauspielhaus Salzburg, dieses Stück aufzuführen – in der Umsetzung leider völlig ins Leere verlaufen.


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