"Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen"

Theaterstück mit Wolfgang Kandler

Kleines Theater, 11.5.2016

Der Titularrat Aksentij Iwanowitsch ist unglücklich. In seinem Tagebuch schreibt er über die Übel des Lebens. Sein Beruf als einfacher Beamter macht ihm zu schaffen, die Liebe zur Tochter seines Vorgesetzten wird nicht erhört und überhaupt scheint er der realen Welt kaum etwas Positives abgewinnen zu können. Um seiner perspektivenlosen Zukunft zu entfliehen, baut er nach und nach eine fiktive Realität um sich herum auf. Höchst unterhaltsam fast amusant, was er sich hier alles zusammenreimt. In Anbetracht der Tatsache, wie schlecht es um diesen Menschen steht, der sein Innenleben hauptsächlich Papier und Bleistift anvertraut, bleibt einem das Lachen allerdings im Halse stecken. Kuriositäten und verrückte Ideen scheinen sich wie von selbst in seinem Kopf fort zu spinnen und überhand über sein Leben zu gewinnen. Diese reichen von Briefe-schreibenden-Hunden und sprechenden Fischen über Kühe, die in einem Laden nach Tee verlangten. Er ist ein wandelnder, brodelnder Vulkan dessen manische Launen und Gefühlsausbrüche nie vorherzusehen sind. Er zittert, schwitzt, spuckt und schäumt  vor Wut, schleudert Gegenstände durch die Luft, wird von hämischem Gelächter geschüttelt... das Publikum ist wie gebannt von der unglaublichen Ausdruckskraft die Wolfgang Kandler diesem Charakter einverleibt.

 

Der Wahnsinn nimmt kein Ende und gipfelt schließlich in der Annahme, er, Aksentij Iwanowitsch selbst, müsse der neue König von Spanien sein. Nun macht alles einen Sinn. In höchster Ekstase und völlig außer sich versucht er die Welt von dieser neuen Erkenntnis zu überzeugen. Was anfangs als recht harmlose Phantasiewelt eines Spinners anmutet, entpuppt sich schließlich als ernst zu nehmende Krankheit, die hinter verschlossenen Türen einer Anstalt seinen Fortgang nimmt. Unter Peinigung und Züchtigung endet der Leidensweg einer armen Seele schließlich mit der Erlösung des Todes. Bedrückend dieses letzte Bild mit dem uns Regisseur Daniel Plier nach Hause schickt.

 

Nichts desto trotz sind wir absolut überwältigt von solch einer Glanzleistung und Authentizität die der Schauspieler Wolfgang Kandler dieser Rolle verliehen hat, und so endet ein durchaus erfolgreicher Abend im Kleinen Theater. Bravo Bravissimo!

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