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Jedermann (stirbt), Schauspielhaus Salzburg

Jedermann stirbt - das alte Spiel in neuem Kleid

Jedermann (stirbt), Schauspielhaus Salzburg
Foto: Jan Friese

Das alte Spiel vom Sterben des reichen Mannes, als Kultstück der Salzburger Festspiele schlechthin, ist im April am Schauspielhaus Salzburg in der Neuinterpretation von Ferdinand Schmalz zu sehen. „Als Burgtheater Direktorin Karin Bergmann mir vor mehr als zwei Jahren den Vorschlag unterbreitete, den Jedermann zu bearbeiten, musste ich zuerst schlucken. Das Stück ist wie ein Nationalheiligtum“ erzählt der Verfasser von Jedermann (stirbt)

 

Wenn sich unter das Partyvolk ein ungebetener Gast mischt, droht die Stimmung schnell zu kippen. Besonders unheimlich wird es, wenn dieser als „Lady in Black“ zum letzten Tanz bittet. Der Moment, wenn die Stunde des Todes gekommen ist, hat noch keinen Zuschauer kalt gelassen. Doch wer sein Leben lang nie an etwas geglaubt hat, wird auch beim allerletzten Bußgang keine Versöhnung erfahren, oder? Der moderne Investmentbanker – als Sinnbild des mächtigen weißen Mannes, der über alles herrscht – versucht in letzter Minute das falsch gelebte Leben zu entschulden – ob es dann nicht zu spät ist? Trotz Leiter die auf direktem Wege nach oben führt, findet sich der Jedermann letztlich in einer Öffnung im Boden wieder. Heruntergebrochen auf die wichtigsten Elemente der Geschichte kommt das Stück mit folgenden Charakteren aus: Jedermanns Frau – genervt vom Egoismus ihres Mannes, die Buhlschaft gleichgesetzt mit dem Tod, die „teuflische Gesellschaft“ als kollektive „Ja-Sager“, die Mutter als gute Seele, der Bettler von nebenan der lieber am Rande steht als sich den Zwängen der Gruppe zu unterwerfen und der Mammon als unbeliebte Klette im goldenen Kleid.  

 

Unter der Regie von Rudolf Frey wird das „Katz und Maus Spiel“ zwischen Leben und Tod gekonnt in die Gegenwart transferiert. Wie in einer Stierkampf-Arena positioniert Ausstatter Vincent Mesnaritsch das Publikum rund um den begrünten Laufsteg des Schreckens. Trotz ernster Grundstimmung lässt das Stück humorvolle Momente zu, was es insgesamt zu einer exzellenten Alternative zu Hoffmansthals Jedermann am Domplatz macht. 

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