· 

Tanzhouse Festival Salzburg

"Forms of Togetherness" beim Tanzhouse Festival in Salzburg

Von Julia Schwarzbach

Choreographie, Performance: Emmi Väisänen;

Sounddesign: Nic Lloyd

 

Wo sind wir hier und was ist unsere Aufgabe?

Wir betreten den Performance-Raum mit der Information uns frei bewegen zu können/ sollen/ dürfen.

Sind wir Zuschauer oder Akteure? In diesem Stück stoße ich auf viele Gegensätze. 

 

Flache Elemente aus Karton und Holz sowie wenige bunte Akzente und Muster bilden das Universum in diesem Stück und sorgen im zweiteiligen Bühnen- und Ausstellungsraum für raumgestaltende Qualität. Sphärische Klänge verleihen der Situation etwas Surreales. 

 

Eine am Boden liegende Kreatur im Pelzmantel erwacht, beginnt sich zu rekeln – langsam und geheimnisvoll. Sie baut sich eine Insel aus Kartonstücken unterschiedlicher Größen. Durch die konträren Materialien – Karton und Pelz drängt sich mir eine Assoziation mit der immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich auf. Im zweiten Raum beginnt das gleiche Spiel – eine zweite Kreatur scheint zu erwachen. Wie durch magnetische Anziehungskraft bahnen sich diese beiden Wesen intuitiv einen Weg zueinander. Der Versuch eines Miteinanders, das sich durch animalische Bewegungen äußert, die von einer kaum zu deutenden Leidenschaft geprägt sind, scheitert letztlich. (Gem)Einsam geht jeder wieder eigene Wege. Gegenstände werden von einem Ort zum anderen getragen. Im Fluss der Zeit verändert sich das Handeln der Akteure. Zwischendurch bewegen sie sich wie ferngesteuerte Marionetten. 

 

Eine verzerrte Spiegelung, in der sich alle Anwesenden selbst sehen, geht durch den Raum. Nicht nur an dieser Stelle ertappe ich mich dabei, zu hinterfragen, welche Rolle ich in diesem Stück einnehme? Die Zuschauer passen sich der Situation an, bewegen sich mit, wechseln die Perspektive und wählen selbst die Distanz zum Geschehen.

Körper, Bewegung, Raum, Zeit und Objekt

Ein wackeliges Kartonhaus entsteht. Das Hinzukommen der dritten Dimension könnte man als Weiterentwicklung menschlichen Daseins betrachten. Geben und Nehmen: Auf der Suche nach Schutz ist der eine auf die Hilfe des anderen angewiesen. Und schon wieder ein Gegensatz: nur die kleinste Bewegung bringt das mühevoll aufgebaute Kartonhaus zum einstürzen. Hier kommt die Zerbrechlichkeit die im Miteinander alles Lebendigen liegt zum tragen. Durch die Monotonie der Bewegungen, die teilweise in Zeitlupe passieren, entsteht das Gefühl des Stillstandes, so als würde man sich schon seit Ewigkeiten in diesem Raum befinden. Gewisse Vorgänge kehren immer wieder, wie bei einem Perpetuum Mobile das nie zum Stillstand gerät und schließlich doch.

Friends