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Marta Górnicka "Magnificat" - Sommerszene Salzburg

Der Frauenchor empfängt uns – 23 Frauen – mit ernster Miene und bereit für den Kampf. So viel ist klar: mit diesen Damen ist heute nicht gut Kirschenessen, denn sie haben ein festes Ziel vor Augen und nichts und niemand wird sie davon abbringen. 

 

Im antiken Theater wurde der Chor als Stimme des Volkes begriffen. Martha Górnicka setzt bei denen an, die am wenigsten Stimme haben: dem Frauenchor. Und diese Stimme  kann ziemlich laut und aggressiv sein. Nicht die Masse sondern die Ansammlung an Individuen – jede einzelne für sich – steht hier im Fokus. 

 

Die Zeit ist reif um mit dem traditionellen Frauenbild aufzuräumen und die Karten auf den Tisch zu legen. Rhythmisch sprechend, singend, flüsternd oder schreiend tun die Frauen ihrem Missmut an der Gesellschaft kund. Dabei treffen Jelinek Texte auf Kochrezepte und Zitate aus Zeitungen. Mit den kollektiven Bewegungen der Frauen im Raum erhält die Inszenierung eine furchteinflößende Dynamik, die droht überzukochen. 

 

„Als ich meine Arbeit mit dem Chor in Polen anfing, hatte ich das Gefühl, dass ich eine Leiche reanimiere.“ (M. Górnicka ) Minutenlanger Beifall und Standing Ovations im Saal gab es für diese mehr als geglückte Wiederbelebung des Chores.

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